• DMC-Reinoldus-Veteranen-Ausfahrt am 14. Juni 2003


    Wie es dazu kam
    Über ein halbes Jahr dauerten die Vorbereitungen für die erste Oldtimer-Veranstaltung des DMC nach den drei erfolgreichen Rallyes in den Jahren 1982, 1985 und 1987. Damals waren alle alten Fahrzeuge mit zwei, drei oder vier Rädern am Start. Für die Neu-Auflage hatte sich der Vorstand bereits mit den ersten Überlegungen für eine reine Motorrad-Veranstaltung entschieden, weil man hier eine größere Nachfrage erwartete als bei den Auto-Ausfahrten, wo es an jedem Wochenende ein unüberschaubares Angebot gibt.

    Bereits im Januar war die Streckenführung vom alten Rallye-Profi und Dortmund-Kenner Bernd Blumenstiel fertig gestellt: Er wollte das Stadtgebiet nicht verlassen und dabei den auswärtigen Teilnehmern einen Eindruck vermitteln, der überhaupt nicht zu Kohlenpott oder Großstadt passt. Früh war die Zusammenarbeit mit der Niederlassung Dortmund der BMW Group und der Westfälischen Rundschau vereinbart, Coca Cola Dortmund kam als weiterer Partner hinzu.

           

    In Vorgesprächen im Vorstand und mit den Partnern hatte man als Konzept beschlossen, mit der ersten Ausgabe eine hochwertige Veranstaltung zu bieten, die in allen Einzelheiten dem DMC-Standard genügt. Bei den ersten Ankündigungen während der ADAC-Versammlungen im Frühjahr registrierten die Clubmitglieder ein lebhaftes Interesse bei möglichen Teilnehmern. Die Marke von 50 Motorrädern hatte man als Wunschgröße im Blick. Die ersten Nennungen kamen schnell, von Anfang an waren die Rollerfahrer stark vertreten. Und danach kam ein großes Loch, nur ganz vereinzelt Anmeldungen. Dabei gab es in allen gängigen Medien der Motorrad- und Oldtimer-Szene Hinweise auf die DMC-Veranstaltungen. Drei Wochen vor dem Termin waren es kaum mehr als 20 Nennungen, die eine gewisse Verzweiflung bei den Verantwortlichen bewirkten. Und noch einmal wurden Ausschreibungen verschickt, bei anderen Veranstaltungen Handzettel verteilt. Mit dem Beginn der intensiven Pressearbeit in der Westfälischen Rundschau wurde ein Schub bei der Nachfrage in Dortmund spürbar. Die 48 Nennungen am Tage der Veranstaltung entsprachen den geheimen Wünschen, übertrafen die Ergebnisse bekannter Veranstaltungen in der Umgebung.

    Die Veranstaltung: die Motorräder
    Der Blick auf das Teilnehmerfeld stellte klar, dass vielleicht die Zahl der Teilnehmer hätte größer sein können, aber die Qualität der Motorräder und die Zahl der "alten Hasen" kaum zu überbieten war. Zu Uwe Goedereis auf der NSU 501 T von 1924 und Ulrich Gauffrés mit der Moto Guzzi Sport von 1924 gesellte sich Tim Holthaus mit der Terrot 350 HST, Baujahr 1932, die ein flottes Trio bildeten. Schon am Sonntag zuvor hatten sie die große Ausfahrt in Ibbenbüren flott hinter sich gebracht. Das Familien-Trio Monika und Walter Schenk und Hubert Lasdorf kennt alle Veranstaltungen im ganzen Land, mit den Vorkriegs-BMW und der Duerkopp 98 waren sie nach Dortmund gekommen.

       

    Bunt gemischt war die Klasse der Motorräder bis 1960. Hans Giesenkirchen brachte eine Tornax 125 S an den Start, die er 1950 als Neufahrzeug gekauft hatte. Stolz präsentierte er die Originalrechnung, deren Betrag zwar heute nicht hoch erscheint, aber den Verdienst eines halben Jahres darstellte – so teure Motorräder gibt es heute kaum. Franz Lewandowski war aus Lünen mit seiner Horex Regina gekommen, ein altgedienter Oldtimer-Experte, der als Sachverständiger beim TÜV den Kollegen zur Verfügung steht. Oder Rolf-Arnd Marewski, vormals aktiver Fußballer, heute Motor des BVB-Fan-Projekts, der seine DKW RT 175 S auf die Startrampe rollte, mit der er viele Jahre alle Wege gefahren war. Die DKW ist restauriert, den Alltagsbetrieb haben andere Maschinen übernommen. Arno Tomasy fuhr seine BMW R 51 aus dem Jahr 1954. Der Mechaniker aus dem BMW-Motorrad-Zentrum kam per Zufall ins Starterfeld, seine BMW war als Chopper ein unbestrittener Hingucker.

    Bei den Rollern gab es auf den ersten Blick neunmal Vespa zu sehen, auf den zweiten Blick war die gesamte Prominenz der Roller-Szene durch die Werbung der alten Cracks Manfred Brand, Heiner Kockelke und Horst Scheffran nach Dortmund gekommen. Schon am Vorabend hatte man die gute alte Zeit gefeiert und sich auf die Veranstaltung eingestimmt.

    Einige kurz entschlossene Starter kamen am Samstag hinzu, so dass die zahlreichen Zuschauer eine 42er Harley, eine Norton Commando, eine Moto Guzzi V7 oder ein wunderschönes Imperia-Gespann bewundern konnten. Außerdem gab es Motorräder zu sehen, die äußerst selten sind wie die Mars Stella von Jörg Kolley, die Rabeneick F2 von Ralf Haaf oder das AJS-Gespann von Bernd Adler.

    Die Veranstaltung: Es geht endlich los!
    Nach dem Frühstück, das die Außenstelle der Reinoldus-Klause in den Räumen des BMW-Motorrad-Zentrums aufgebaut hatte, startete pünktlich um 10.01 Uhr Uwe Goedereis mit der NSU 501 von der Rampe in die 75 km lange Ausfahrt. Durch den Süden und Westen der Stadt gelangten die Teilnehmer zur Mittagsrast auf dem Festplatz. Vorher hatte man an einer Kontrolle vier gelbliche Flüssigkeiten bestimmen müssen, wobei es schwierig war, den Unterschied zwischen (abgestandenem) Bier und Apfelsaft herauszufinden.

    Auf dem Festplatz war eine Stunde Zeit, die Sonderprüfung Eintopf zu bewältigen und eine Gleichmäßigkeitsprüfung zu fahren. Das Team um Abteilungsleiter Jürgen Berg hatte auf dem Festplatz mit Hütchen den Reinoldus-Slalom nachempfunden. Die Teilnehmer hatten die Aufgabe, eine Runde mit einem Schnitt von 25,4 km/h zu fahren – was eine Idealzeit von einer Minute ergab. Einerseits war die Stimmung unter den Teilnehmern prächtig, man verstand sich bestens und hatte einiges zu erzählen. Terrot gegen Moto-Guzzi, in der Klasse der alten Motorräder wurde gegen das Reglement eine Bestzeit-Wertung ausgemacht. In dieser lockeren Atmosphäre tricksten die ausgefuchsten Experten dann auch arglose Helfer aus, indem sie durch beiläufig über die Länge der GLP oder andere Details die Idealzeit erschließen konnten. Ein Schelm, der Böses dabei denkt...

    Der Fahrtleiter hatte hier schon einiges gelernt: Die Teilnehmer geben ordentlich Gas und lassen die alten Geräte sehr zügig laufen. Damit die Veranstaltung im Zeitplan bleibt, müssen die Fahrer hier und dort eingebremst werden. Auf der Strecke darf es keine Zeitwertung geben, somit muss man darauf achten, dass die Pausen eingehalten werden. Als nächste Wertungsprüfung hatten den DMC-Helfer auf dem Gelände des ADAC in Dorstfeld das zehn Meter lange Spurbrett aufgebaut, dass man schnell und fehlerfrei befahren sollte. Für die Experten waren die zehn Meter in zwei Sekunden kein Problem, eine wahrlich starke Leistung. Auf der Strecke war man inzwischen vom "hohen Norden" in Brechten wieder in südliche Gefilde nach Barop vorgestoßen, wo der Reiterverein eine Kaffeepause ausrichtete. Ab 13.30 Uhr wurden die "Raser" wieder im Ziel auf dem Gelände der BMW Group Niederlassung Dortmund erwartet.

    Die Veranstaltung: diese Geschichten am Rande
    Die Teilnehmer haben unterwegs ihren Spaß, davon kann man ausgehen. Nach außen dringen davon nur dann und wann Geschichten durch. Die DMC-Reinoldus-Veteranen-Ausfahrt war auch aus diesem Grund ein voller Erfolg, denn es passierten verschiedene kleine Begebenheiten:

    Als ersten erwischte es Manfred Pianka mit seinem BMW-Gespann. Man hörte, dass er alle Leute nach einem Sektkorken fragte. Wer hat schon am Samstagmorgen einen Sektkorken in der Tasche? Allerdings bietet eine Ausfahrt am Samstag den großen Vorteil, dass alle Läden geöffnet sind und man einfach eine Flasche Sekt kaufen kann. Gesagt, getan, Flasche gekauft, Korken in der Hand, Schwimmer geschnitzt – Veranstaltung zu Ende gefahren. Pokal für Erfindungsreichtum, ist doch klar. Was war aber mit dem Inhalt der Sektflasche passiert? Wie ich den "Sheriff" einschätze, hat er ihn angemessen entsorgt, mit einem gestandenen Beifahrer im Boot sollte das kein Problem gewesen sein. Eine Vespe musste mit einem platten Reifen ins Ziel geholt werden, so dass auch der "Lumpensammler" zum Einsatz kam. Im Hause Holthaus geriet der Einsatz beider Motorräder zur reinen Nervensache. Die Terrot war wenige Tage vor Pfingsten zugelassen worden. Die Feinabstimmung war nicht abgeschlossen. Man wusste, dass der Motor zu fett läuft und nach 20 bis 30 km die Kerze verrußt und das Ding nicht mehr rennt. Dafür hatte man genügend Kerzen an Bord. Je schneller das Motorrad bewegt wird, umso länger wird die Etappe bis zum Wechsel der Kerze. So ist Tim von zu Hause zum Frühstück zu Oma Herta nach Scharnhorst gefahren, von dort zum Start und die ganze Veranstaltung mit überschaubaren Aufenthalten.
    Jan hätte die NSU Quick fahren können. Die hat 98 ccm und 3 PS, rennt höchstens 55 km/h – dies aber Tag und Nacht. Aber er wollte gern mit der Ducati 250 Scrambler starten, die erst im Herbst ins Haus gekommen war. Im Oktober hatte sie zwei Wochen ohne nennenswerte Mucken ihren Dienst in Südfrankreich getan. Aber sie war nicht gut über den Winter gekommen, denn im Tank lösten sich Lackpartikel, die immer wieder die Spritleitungen verstopften. Damit war das Frühstück bei Oma Herta gestrichen, Jan hatte Mühe, zum Rombergpark zu kommen. Und auch die Strecke hat er nur mit viel Arbeit bewältigen können. Als sich im Ziel die Teilnehmer sammelten, kam vom Spurbrett die Nachricht, dass die Ducati gar nicht mehr will. Lumpensammler?
    Bruder Tim mit der Terrot war längst da. Und nun kam die große Stunde von Rolf-Arnd Marewski, mit dem wir längst freundschaftlichen Kontakt aufgenommen hatten. Der lädt sich den langen Tim auf die DKW und sie fahren nach Dorstfeld, weil Jan kein Werkzeug hat. Auf dem Weg dorthin quetscht er die DKW aus wie eine Zitrone – so sagt es Tim später: Selbst ein Rossi hätte keine Chance gegen sie gehabt – und reparieren die Ducati. Dann fahren sie die vorgesehene Strecke bis Ziel. Damit hätte alles ein gutes Ende haben können.
    Bei der Abfahrt nach Hause stellt Rolf-Arnd Marewski fest, dass die DKW nicht mehr will. Hat er doch sein Motorrad während der Hilfeleistung etwas überfordert! Und nun kommt noch einmal der "Lumpensammler" zum Einsatz für die treue DKW. Kolbenring, Kopf? Eine Tragödie bei modernen Motorrädern, ein Klacks für einen genügsamen Zweitakter.

    Die Veranstaltung: Ergebnisse

    Die Pokale für die besonderen Anlässe gingen an:

    • Heinz Prinz, Mülheim, BMW R 90 S: schnellste Fahrt auf dem Spurbrett
    • Manfred Pianka, Unna, BMW R 67-Gespann: Improvisation mit einem Sektkorken
    • Hans Giesenkirchen, Dortmund, Tornax 125 S: Motorrad 52 Jahre in einer Hand
    • Rolf-Arnd Majewski, Dortmund, DKW RT 175 S: Pechvogelpreis
    • Engelbert Rostek, Dortmund, BMW R 26: zum bevorstehenden 60. Geburtstag
    • Karen Brandt, Dortmund, Vespa GS 150/3: beste Dame

    Die Preise wurden gestiftet von der BMW Group Niederlassung Dortmund: Die Klassensieger erhielten ein Buch über die Geschichte der BMW-Motorräder, für den zweiten und dritten Platz gab es ein Email-Werbeschild. Vor der Veranstaltung war abgesprochen, dass die Mitglieder des DMC zwar in ihren Klassen mitfahren, nicht aber für die Vergabe der Preise berücksichtigt werden.

    Tragisch wurde dies für das Ergebnis der Rollerklasse, wo ein absoluter Gleichstand an Gesamtpunkten, an Punkten in allen Wertungsprüfungen zum identischen Endergebnis von 32 Strafpunkten für Horst Scheffran und Manfred Brandt sorgte. Hier hätte das Alter der Vespa den Ausschlag geben müssen. Weil aber Horst Scheffran Mitglied des DMC ist, wurde Manfred Brandt Gesamtsieger der DMC-Reinoldus-Veteranen-Ausfahrt 2003. Während der Siegerehrung war es schwierig, auch auf diesen Umstand einzugehen, so dass die DMC-Mitglieder leer ausgingen. Horst Scheffran war traurig darüber, was man verstehen kann. Bei geeigneter Gelegenheit werden die Ergebnisse der DMC-Mitglieder gewürdigt werden, darüber ist man sich im Vorstand einig. Udo Arndt landete auf dem zweiten Platz bei den Motorrädern bis 1960 auf seiner NSU Fox. Und trotz erheblicher technischer Probleme schaffte Jan Holthaus mit der Ducati 250 Scrambler mit dem fünften Platz ein Ergebnis in der ersten Hälfte seiner Klasse.

    Großer Jubel bei den Rollerfahrern, als Manfred Brandt den Umschlag mit dem Preis für den Gesamtsieger überreicht bekam: Freier Eintritt in die Mobile Tradition der BMW Group in München, der ganz speziellen Oldtimer-Abteilung von BMW, kein Museum, sondern Sammelplatz der alten Motorräder und Autos, Werkstatt und technische Zentrale. Dazu gab es einen Gutschein für eine Übernachtung in einem passenden Hotel für zwei Personen. Solch einen Preis kann man nicht kaufen, die Mobile Tradition ist nicht so einfach öffentlich zugänglich.

    Nach der Veranstaltung zogen alle Beteiligten, Veranstalter, Teilnehmer, DMC und Partner ein ausgesprochen positives Fazit: Alle waren sich einig, dass es im kommenden Jahr wieder eine DMC-Reinoldus-Veteranen-Ausfahrt für historische Motorräder geben soll. Raum für Verbesserungen und Änderungen gibt es – aber schön ist es gewesen mit den alten Motorrädern in Dortmund.

     

    DMC-Clubabend

    Unser Clubabend lebt. Jeder der interesse an Motorsport hat, ist herzlich willkommen. 

    Haus Hunke
    Syburger Str. 84
    44265 Dortmund

    Wir treffen uns um 20.00 Uhr jeden dritten Donnerstag im Monat.

    Wir freuen uns auf euch.